Apple und Samsung: Der Kampf der Titanen
Von Andreas Ruhlmann, Marktanalyst und Premium Client Manager bei der IG Bank
Bis Ende 2011 war Apple der unangefochtene Marktführer im Smartphone-Bereich. Dies änderte sich, als der südkoreanische Konkurrent Samsung im ersten Quartal 2012 erstmals einen höheren Marktanteil als Apple verzeichnete.
Samsung bot Geräte mit einem grössere Bildschirm an, die nicht nur leistungsfähiger und flexibler, (SD-Karte, auswechselbare Akkus, Open-Source-Android-Betriebssystem), sondern vor allem auch günstiger waren. Apple reagierte darauf mit dem iPhone 5C, einem günstigeren «Plastik»- Telefon.
Wettbewerb der Bildschirme
Dieses hatte jedoch noch einen kleineren Bildschirm und bot auch nicht dieselbe Flexibilität eines Samsung-Geräts. Eine teure Fehlentscheidung, denn Apples Aktienkurs sank zwischen Oktober 2012 und Juni 2014 um fast 45 Prozent.
Die Firma mit dem Apfel hat sich wieder auf seine Stärken besonnen, nämlich auf Luxusprodukte von hoher Qualität. Die High-End Geräte iPhone 6 und iPhone 6 Plus bieten deutlich grössere Bildschirme – ein Feature, das massgeblich für Samsungs Erfolg verantwortlich war.
Kurzum: Das neuste iPhone ist ein voller Erfolg und hat Apple mit einem Rekordumsatz und Höchstmargen wieder an die Spitze katapultiert.
Samsungs Antwort: Schluss mit Plastik!
Samsung reagiert nun endlich auf seine Kritiker und bringt ein Smartphone heraus, das gleichzeitig effizient, ästhetisch und hochwertig gefertigt ist. Die Flaggschiffgeräte Galaxy S6 und S6 Edge sind ausschliesslich aus Glas und Metall gebaut, und haben zudem eine innovative Wireless-Batterie-Ladevorrichtung.
Das S6 Edge besitzt darüber hinaus einen Bildschirm, der bis an die Kanten reicht. Hierbei nimmt Samsung allerdings auch Einbussen bezüglich der Flexibilität seiner Geräte in Kauf: So verfügen das S6 und S6 Edge weder über SD-Kartenslots, noch können ihre Akkus vom Benutzer selbst ausgetauscht werden. Auch sind sie, verglichen mit den Vorgängermodellen, nicht mehr wasserdicht.
Schlechte finanzielle Lage
Das Wettrennen zwischen dem iPhone 6 und Galaxy S6 verspricht, äusserst eng zu werden, wobei Samsung wohl auf Grund seines neueren Produktzyklus, einen leichten Vorteil haben wird. Das Galaxy S6 kommt im April auf den Markt und könnte die schlechte finanzielle Lage der mobilen Sparte ausgleichen.
Seit Anfang 2014 war die Apple-Aktie deutlich stärker als es die Papiere von Samsung waren. Eine Trendwende könnte also kurz- bis mittelfristig nicht unwahrscheinlich sein.
Derzeit notiert die Samsung-Aktie bei rund 650 Dollar, während die Apple-Titel um die 130 Dollar gehandelt werden. Für eine Strategie «Long Samsung/Short Apple» müsste man also fünf Apple-Aktien verkaufen für jede Samsung-Aktie, die man kauft.
Wann kommt die «Apple Watch»
Gespannt darf man dieser Tage auf die Ankündigung der «Apple Watch» sein, einschliesslich ihrer neuen Funktionen und Apps. Die Firma aus dem kalifornischen Cupertino begibt sich mit dem Eintritt in den Smartwatch-Sektor – bis dato dominiert von Samsung, LG und Motorala – auf neues Terrain. Auch wenn diese Sparte nur langsam an Fahrt gewinnt, wird das Angebot dennoch stetig erweitert und verbessert werden.
Die chinesische Firma Huawei hat zum Beispiel eine Smart-Watch angekündigt, die aus traditionellen Uhrmacher-Materialien gefertigt ist. Das Design ist täuschend echt. Gemäss Angaben aus der Branche wird die Anzahl von Smart-Watches zwischen 2013 und 2020 von zwei Millionen Stück auf 205 Millionen Stück steigen. Dies würde einem jährlichen Wachstum von 95 Prozent entsprechen.
Kurzfristig überverkauft
Apple, bekannt dafür, designtechnisch neue Standards zu definieren, würde hierbei einen klaren Vorteil in der Branche haben. Denn das iPhone macht heute mehr als 50 Prozent des Umsatzes aus, und die Apple-Watch hat das Potenzial, eine ganz neue Dimension der Produktepalette zu verleihen.
Vor diesem Hintergrund ist klar: Obwohl die Apple-Aktie kurzfristig überkauft ist, dürfte sie längerfristig durchaus für ein paar Überraschungen gut sein.
Wie mit Lego
Doch wenn die Bedrohung von ganz anderswo kommt? Googles Modular-Handy-Projekt «Ara» beherrscht aktuell die Schlagzeilen. Es handelt sich dabei um ein Smartphone, das vom Nutzer nach Belieben aus einzelnen Bausteinen nach dem Lego-Prinzip zusammengesetzt werden kann.
Der Benützer kann es somit nach und nach erweitern oder reparieren – ohne es alle zwei Jahre austauschen zu müssen. Die ersten Geräte werden diesen Sommer in Puerto Rico auf den Markt kommen. Man darf also gespannt bleiben.












